Neuer Schwung für den Profilzylinder

Manchmal braucht es eine Veränderung von außen, um eingefahrene Strukturen zu durchbrechen und wieder mit neuem Elan an die Arbeit zu gehen. So erging es auch der Schließzylinderproduktion von Zeiss Ikon in den Berliner Goerzwerken.

Zwar erwies sich der Profilzylinder seit Jahrzehnten als krisenresistent und das Schließzylindergeschäft als sicheres Standbein für das Unternehmen, aber das steigende Auftragsvolumen ließ sich mit der Produktion von Hand kaum bewältigen. Durch die Umstellung von Papier auf EDV-Verarbeitung und der Teilautomatisierung der Fertigung konnten Verwaltung und Produktion in den Goerzwerken schließlich rationalisiert werden. 

Vitalisierende Firmenbewegungen in der Schließzylinderbranche

Eine zusätzliche Wende brachte das Jahr 1989 – nicht nur politisch, sondern auch für die Goerzwerke. Zum einen durch den Mauerfall und die Öffnung des Marktes gen Osten, die neue Konkurrenz mit sich brachte. Zum anderen durch die Integration von Zeiss Ikon in die finnische Oy Wärtsilä AB. Der international agierende Mischkonzern war vor allem auf den Schiffs- und Dieselmotorenbau spezialisiert. Zugleich führte das Unternehmen mit der Marke ABLOY aber auch den skandinavischen Markt für Schließ- und Zugangskontrollanlagen an. Im Dezember 1989 gründete Oy Wärtsilä die Abloy Security Ltd. als hundertprozentige Tochtergesellschaft, in die auch Zeiss Ikon eingegliedert wurde und von da an IKON AG Präzisionstechnik hieß. Noch im selben Jahr entstand schließlich die Marke IKON.

Für die Goerzwerke bedeutete die Übernahme zahlreiche Umstrukturierungen. Die neue Leitung sah viel Spielraum bei der Verbesserung der Produktivität, der Lieferzuverlässigkeit und der Lieferzeit der Schließzylinderproduktion. Um sich trotz der steigenden Konkurrenz weiterhin auf dem Sicherheitsmarkt behaupten zu können, ergriff sie deshalb Rationalisierungs- und Modernisierungsmaßnahmen bei der Fertigung. Von der technischen Seite aus befanden die Finnen hingegen kaum Änderungsbedarf. Zudem erkannten sie die hohe Qualifikation der Mitarbeiter. Das Hauptprodukt des Berliner Betriebs waren nach wie vor die begehrten IKON-Schließanlagen mit Profilzylinder.

Gründung der ASSA ABLOY Gruppe, Stockholm

1994 war ein weiteres prägendes Jahr in der Geschichte des Profilzylinders: Das schwedische Großunternehmen Securitas AB und der finnische Konzern Metra Oy Ab (ehemals Wärtsilä) einigten sich auf eine Fusion ihrer Sicherheitstechnik-Sparten. Die Securitas Lock Group AB, die vor allem mit der Marke ASSA in Erscheinung trat, übernahm die Anteile der Tochter Abloy Security Ltd. und die ASSA ABLOY Gruppe wurde gegründet. Da die Abloy Security Ltd. Hauptaktionär der IKON AG war, wechselte das Berliner Unternehmen automatisch seine Zugehörigkeit und zählte nun zur ASSA ABLOY Gruppe. Durch den Zusammenschluss stieg ASSA ABLOY zum Marktführer in den skandinavischen Ländern auf. Zudem verfügte die Gruppe mit der IKON AG und deren Beteiligungen über eine führende Position im deutschsprachigen Raum sowie den Benelux-Staaten und war über verschiedene Tochterfirmen auch auf dem britischen und dem US-Markt präsent.   

Ein spezieller Profilzylinder für noch mehr Sicherheit

Parallel zu den Umbrüchen in der Firmenstruktur wurde kontinuierlich an technischen Neuerungen gearbeitet, um den Anschluss im Branchenwettbewerb zu halten. Dazu zählte auch das IKON SK6-Zylinder-System, das 1995 auf dem Markt eingeführt wurde. Grundlage bildete abermals der Profilzylinder, nun jedoch in der Standardausführung mit sechs statt fünf Stiftzuhaltungen und einem Vectorprofil ausgestattet. Das Vectorprofil ist ein parazentrisches Schrägprofil, das zusätzlich mit einer Codierung an der Seite des Schlüssels ausgestattet werden kann, die durch Sperrelemente im Schließzylinder abgefragt wird. Fehlende oder falsche Codierungen am Schlüssel blockieren den Schließvorgang bei Schließversuchen. Durch die spezielle Anordnung der Profilmerkmale zueinander werden manuelle Öffnungstechniken deutlich erschwert. Es besteht eine, gegenüber herkömmlichen Schlüsselprofilen, sehr hohe Aufsperr-, Abtast- und Nachschließsicherheit. Durch zahlreiche Weiterentwicklungen zählt der SK6-Zylinder bis heute deshalb zum höchsten Standard in der mechanischen Schließtechnik.   

Mit dem Schließzylindersystem IKOTRON hatte Zeiss Ikon bereits 1986 eines der ersten mikroprozessorgesteuerten Schließsysteme entwickelt. Als IKON AG Präzisionstechnik baute das Unternehmen das System weiter aus und brachte 1997 schließlich den Kompakt-Kartenleser IKOTRON 1000 für schlüsselloses Türöffnen auf den Markt. Auch nach der Jahrtausendwende ging die Entwicklung weiter in Richtung mechatronische Schließlösungen. Zugleich kam es zu weiteren Änderungen der Firmenstruktur: Die heutige ASSA ABLOY Sicherheitstechnik GmbH wurde gegründet.

Lesen Sie mehr dazu in unserem fünften Newsletter der Serie 90 Jahre Profilzylinder.