Sicher mit dem Profilzylinder – auch durch instabile Zeiten

Die letzten Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieges traf die Berliner Goerzwerke, die seit 1926 zur Zeiss Ikon AG zählten, hart: 1945 gerieten sie unter russischen Beschuss, wobei das Zehlendorfer Werk völlig ausbrannte.

Der darauffolgende Wiederaufbau sowie der Produktionsneustart verliefen zwar schnell, spielten aber den Russen in die Hände. Denn nur wenig später gaben sie den Befehl zur vollständigen Demontage. 95 Prozent der Maschinen wurden abgebaut, insgesamt gingen 1.800 Stück mitsamt der technischen Zeichnungen sowie Konstruktionsunterlagen in russische Hände über.

Dank findiger Mitarbeiter, die sich ihrer Existenzgrundlage nicht völlig berauben lassen wollten, wurden jedoch einige Maschinen, Werkzeuge und Pläne gerettet. Als die Amerikaner nach Abzug der Russen die Goerzwerke übernahmen, konnte deshalb schnell mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Die Zylinderfabrikation, die auf dem Basisbaustein des Profilzylinders mit seinem 17-mm-Profil gründete, lief als erstes wieder an und wuchs kontinuierlich.

Der Profilzylinder auf Erfolgskurs

Schlösser, Schließzylinder und -anlagen, die aus den Goerzwerken stammten, überzeugten mit hoher Qualität. Der Profilzylinder entstand in höchster feinmechanischer Präzisionsarbeit. Ihn zeichneten schon damals seine charakteristische Bauform und das Prinzip der Stiftzuhaltungen aus, durch die kleine und leichte Flachschlüssel verwendet werden konnten. Sie waren wesentlich einfacher aufzubewahren und zu transportieren als beispielsweise die Buntbartschlüssel.

Nach und nach setzte sich der Profilzylinder am Markt durch und wurde 1964 in das erste Normblatt für „Schließzylinder mit Stiftzuhaltungen für Türschlösser“ (DIN 18252) aufgenommen. Zwar war darin noch keine klare Regelung zur Gehäuseform festgehalten, zulässig waren die Gehäusenormen für Rund-, Oval- und Profilzylinder, aber der Profilzylinder stellte bereits Ende der 1950er Jahre das dominante Design dar. Vor allem weil seine technisch-konstruktiven Kompatibilitätsvorteile überzeugten.

Dank der Schlossherstellung sicher durch die Wirtschaftskrise

Mit Beginn der 1970er Jahre kamen schwere Zeiten auf die Zeiss Ikon AG zu. Zum einen wurde das Ende der Kameraproduktion beschlossen, insbesondere weil mit der Konkurrenz aus Japan kein Mithalten möglich war. Zum anderen schlug sich die Wirtschaftskrise der Bundesrepublik auf das Unternehmen nieder. Krisenresistent dagegen zeigte sich erneut das Zylindergeschäft. Getragen vom Trend zu hochwertigen Verschlüssen war es im stetigen Aufschwung.

Erholung für die anderen Warengruppen der Zeiss Ikon AG, wie beispielsweise Leuchten, brachte der Bauboom im Binnenmarkt der Jahre 1978/79. Auch das Schließzylindergeschäft erfuhr einen weiteren Anschub, der sogar anhielt, nachdem sich das rege Bautreiben wieder beruhigte. Dafür sorgten die große Auslandsnachfrage sowie die Angebotserweiterung im Bereich der hochwertigen Zylinder. Ab 1981  hat Zeiss Ikon  beispielsweise das neue Schließsystem Magnet-Schloss System M vertrieben. Bei diesem System erfolgt die Drehzuhaltung auf magnetinduktiver Basis, kombiniert mit der bewährten mechanischen Abtastung des Schlüsselprofils.

Der Einstieg in die elektronische Sicherheitstechnik

Eine wegweisende Innovation lieferte Zeiss Ikon mit dem Schließzylindersystem „Zeiss-Ikon IKOTRON“. Es kam 1986 auf den Markt und stellte den Beginn der elektronischen Sicherheitstechnik dar. Ikotron war eines der ersten ausgereiften mikroprozessorgesteuerten Schließsysteme bei Zeiss Ikon, womit das Berliner Unternehmen seiner Zeit weit voraus war. Es konnten bestimmte Zeitzonen eingestellt werden, in denen Türen mit dem Schlüssel zu öffnen oder zu schließen waren. Außerdem konnten einzelne Schlüssel aus dem Schließanlagensystem entfernt werden, wenn sie verloren gingen. Dadurch entfiel der kostspielige Zylindertausch und die Sicherheit stieg. Grundlage des Systems war auch bei dieser Entwicklung der Profilzylinder.  

Nachdem sich Zeiss Ikon 1987 zur Einstellung der schwächelnden Leuchtenproduktion entschloss, spezialisierte sich das Unternehmen endgültig auf die Schließzylinderherstellung. Die Zylinderabteilung hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt relativ unabhängig von der Bauwirtschaft gemacht und blieb damit stabil. Zum Fertigungsprogramm zählten ein breites Angebot an Zusatzschlössern, Hang- und Möbelschlössern, zahlreiche verschiedene Spezialzylinder und Schließanlagen – und, nicht zu vergessen, der Profilzylinder in zahlreichen verschiedenen Bauarten.

Lesen Sie im nächsten Newsletter, was die Wende 1989 für die Schließzylinderabteilung von Zeiss Ikon bedeutet und wie der Profilzylinder weiterentwickelt wird.