ASSA ABLOY feiert 90 Jahre Profilzylinder

Dass IKON das Patent des Profilzylinders auf seine Fahne schreiben kann, ist dem geschäftstüchtigen Unternehmer Carl Paul Goerz zu verdanken.

Cleverer Geschäftsmann und Erfinder

Er eröffnete 1886 in Berlin ein Einzelhandelsgeschäft, in dem er zunächst mathematisch-technische Bedarfsartikel verkaufte. Die Entwicklung der Fotografie fest im Blick nahm er jedoch bald Kameras und Zubehör ins Sortiment auf. Von da an entwickelte sich Goerz zu einem führenden Unternehmen der feinmechanisch-optischen Industrie.

Aus heutiger Sicht sein größter Coup gelang Goerz 1910 mit der Übernahme der AG Hahn. Ursprünglich ein Betrieb für Optik und Feinmechanik in Kassel, wurde in dem neuen Tochterunternehmen 1924 eine bahnbrechende Entwicklung gemacht: Die Ingenieure der AG Hahn schufen den revolutionären Profilzylinder. Bis heute gilt er als Verkaufsschlager.

Revolutionäre Schließtechnik zwischen den Kriegen

Schon Ende des 19. Jahrhunderts erfand der US-Amerikaner Linus Yale jr. den ersten ausgereiften Schließzylinder mit Stiftzuhaltungen und trennte ihn erstmals vom eigentlichen Schloss. Sein Patent für diese Erfindung lief jedoch vor Kriegsbeginn ab. Mit Kriegsende stellte die Kasseler AG Hahn ihre Produktion auf die Fertigung von Schlössern um. Da kam das hinfällige Patent ganz gelegen. Die Ingenieure von Hahn arbeiteten fortan an der Entwicklung von Schließzylindern nach Yales Vorbild.

Zylinder mit Stiftzuhaltungen waren wesentlich sicherer als die vorher gebräuchlichen Buntbart- und Chubb-Schlösser und in den unsicheren Nachkriegszeiten entsprechend gefragt. Während Yales Konstruktion einen Rundzylinder vorsah, schufen die Ingenieure von Hahn einen Schließzylinder in Form eines Schlüssellochs. Er beanspruchte wesentlich weniger Platz. Das Nachrüsten von Türen wurde dadurch deutlich einfacher.

1924 entwickelte das Unternehmen den sogenannten Hahn-Einbau-Doppelzylinder. Er war der erste einteilige, von beiden Seiten schließbare Profilzylinder der Welt. Das Besondere: Die charakteristische Bauform – das Profil – erinnerte an die Silhouette eines Schlüssellochs. Das Produkt war für die Massenproduktion geeignet, robust, austausch- sowie nachrüstbar, verschleißfest und sicher.

Größte Industriefusion in der Weimarer Republik

Warum aber ist der Profilzylinder inzwischen fest mit dem Markennamen IKON verbunden? Die Antwort liefert die größte Industriefusion in der Zeit der Weimarer Republik: Parallel zu Goerz hatte sich auch Carl Zeiss zu einem einflussreichen feinmechanisch-optischen Unternehmen entwickelt, das immer wieder versuchte, den Berliner Konkurrenten zu übernehmen. 1926 war es so weit, Goerz schwächelte und wurde übernommen. Mit weiteren Fusionspartnern wurde die Zeiss Ikon AG in Dresden gegründet.

Auch die AG Hahn als Tochterunternehmen war Teil des Zusammenschlusses. Dabei kreuzten die Fusionsprozesse den Patentierungsvorgang des Profilzylinders: Hahn hatte bereits 1924 das Patent für die damals als „Sicherheitsschloß mit Schließzylinder“ bezeichnete Präzisionstechnik angemeldet. Erteilt wurde es aber erst am 25. Oktober 1928 – an die neue Zeiss Ikon AG. 

Vor allem wegen der platz- und materialsparenden, kostengünstigen Bauform setzte sich der Hahn- beziehungsweise Zeiss-Ikon-Profilzylinder im Laufe der Zeit als transnationaler Standard durch. Bis heute bildet er die gebräuchlichste Bauform des Schließzylinders und wird von der Marke IKON von ASSA ABLOY hergestellt.

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